Santa Claus Express heißt er das ganze Jahr über. Lappland ist schließlich die offizielle Heimat des Weihnachtsmanns. Zumindest für Finnen.
Der Zug ist die Verbindung des Südens nach Lappland. Von Helsinki oder Turku aus kann man bis Rovaniemi, manchmal sogar bis Kemijärvi in einem Rutsch durchfahren.

Unsere Fahrt startet auf die Minute pünktlich um 22:30 Uhr in Kemi. Geplante Ankunft ist 8:29 in Tikkurila. Wir fahren nicht ganz bis Helsinki, weil wir ja zum Flughafen wollen.
Es ist ein bisschen was los, aber die paar Hanseln verteilen sich ruhig und entspannt auf den sehr langen Zug. Die Gänge sind breiter. Wir kommen mit den Rucksäcken auf dem Rücken easy zu unsererm Abteil. Ein 2er Abteil für uns. Kein Gehuddel wegen unterschiedlicher Geschlechter!
Das 2er Abteil ist eng, vielleicht sogar enger als im SJ, aber dort hatten wir ein 1. Klasse Abteil mit 3 Betten, in dem man auch sitzen konnte. 1. Klasse gibt es in Finnland nicht. Nur die Unterscheidung mit Bathroom oder ohne.
Die Betten sind bequem, groß, länger und die Bettwäsche ist bezogen! Es liegen auch Handtücher bereit. Und 1 Flasche Wasser für jeden.
Das Gepäck wird einfach unter dem unteren Bett verstaut. Kein Hochhieven auf 2,5m Höhe über Kopf notwendig.
Da es keinen Teppich gibt, wirkt der Boden viel sauberer. Ich habe keinerlei Bedenken, meinen Rucksack unter das Bett zu schubsen.
Ein letztes Mal muss ich über Toiletten schreiben. Auch in Finnland sind die nicht immer sauber und frisch in den Zügen. Vorsichtig öffne ich die Badezimmertür, mißtrauisch schnuppernd.
Nichts! Kein Gestank. Es riecht einfach nach nichts. Und es wirkt sauber. Und es ist sauber! Und funktionieren tut sie auch noch.
Nur: wo ist die Dusche? Na, dann eben ohne Dusche, kein Problem. Ach doch, man kann das Waschbecken mit Spiegel komplett umklappen. Dann ist das Klo weg und dafür die Dusche da. Sehr platzoptimiert, sehr raffiniert. Und bequem.
Es gibt Gebrauchsspuren, aber insgesamt wirkt es recht sauber.
Mir fällt sofort auf, dass der Zug viel leiser ist und nur sanft ruckelt. Selbst Anfahren und Abbremsen ist sehr smooth.
Es ist schon spät, die Fahrt gar nicht so lang. Also legen wir uns sofort schlafen. Außerdem sind wir immer noch sehr satt und ein bisschen angedüselt.
Ich liege im angenehmen Bett, lausche den leisen Geräuschen des Zuges und lasse mich in den Schlaf schaukeln. Dass wir Nachbarn haben, merke ich erst am Morgen. Alle sind sehr ruhig in unserem Wagen.
Die Treppe ist hier fest installiert. Man muss ein bisschen klettern können, Beweglichkeit ist von Vorteil. Kein Gehuddel mit der Leiter, keine Experimente, wohin mit der Leiter, keine Leiter über Nacht mitten im Abteil vor der Badezimmertür.
Die Betten bieten mehr Platz nach oben, man kann also aufrecht sitzen.
Es gibt ausreichend Haken überall und eine Uhr mit Weckfunktion direkt an jedem Bett.
Was ich bemerkenswert finde, ist dass das Abteil abschließbar ist. Im SJ hat mich gewundert, dass ich mein Abteil mit meinen Habseligkeiten nicht abschließen konnte, wenn ich zum Beispiel ins Bistro gehe. Hier im VR geht das. Was nicht alles geht, wenn man will…
Preis
Mit dem Interrail Pass brauchten wir die Reservierung des Schlafwagens. Buchen konnten wir das nur in Helsinki oder telefonisch. Online ging das tatsächlich nicht. Dieser entspannte, erholsame, angenehme Nachtzug mit eigener Dusche und WC hat uns bei VR im eigentlich teuren Finnland sage und schreibe 74 Euro gekostet. Für 2 Personen. Also insgesamt für uns beide. Also 37 Euro pro Person. Unglaublich.
Wir sind wirklich ausgeruht. Ich hatte Schwierigkeiten einzuschlafen, habe aber ganz entspannt gedöst. Am Morgen eine angenehme Dusche und frisch gemacht die nächste Reiseetappe angetreten. Ganz, ganz wunderbar.
BTW: SJ hat uns für die nicht funktionierende Toilette inzwischen 50% der Kosten erstattet!


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