Als wir anfingen, über diesen Urlaub nachzudenken, habe ich an einem Winter-Wochenende die ARD Mediathek nach Reportagen über Finnland abgegrast. Darum waren wir in Rauma. Und darum wollte ich nach Oulu.
Oulu hat vor mehr als 20 Jahren die politische Entscheidung getroffen, den Radverkehr zu fördern. Das war nicht nur eine Absichtserklärung. Es wurde eine Vollzeitstelle geschaffen. Der Radfahrbeauftragte hatte die alleinige Aufgabe, den Radverkehr zu fördern. Und er bekam sogar ein Budget.
Heute werden in Oulu Workshops für Verantwortliche aus aller Herren Länder angeboten, die sich darüber informieren, wie das gelingen kann.
Man muss dabei bedenken, dass Oulu weit im Norden liegt. 6 Monate im Jahr ist es dunkel. Es liegt viel Schnee, -20° sind keine Ausnahme.
Oulu hat 216.000 Einwohner. Die meisten haben ein Auto. Wer ins Umland will, braucht ein Auto. Aber innerhalb der Stadt bewegt sich ein Großteil der Bevölkerung mit dem Fahrrad.
Was braucht es dafür?
- Separate Radrouten, die unabhängig vom Straßenverkehr sind. Man kann teilweise kilometerweit fahren, ohne einem Auto zu begegnen.
- Ausreichend breite Wege, so dass man mindestens zu zweit nebeneinander fahren kann. Alle Wege sind breit genug, um mindestens 3 Räder parallel aneinander vorbei fahren zu lassen. Viele Wege sind 6m breit. Das reicht locker für Fußgänger und Radfahrer in beide Richtungen.
- Guten Bodenbelag. Die meisten Wege, die wir gesehen haben sind asphaltiert. Das ist im Winter sicherlich von Vorteil.
- Licht! Alle Radwege sind beleuchtet. Wie gesagt, der Winter ist recht dunkel in Oulu.
- Alle Bezirke sind miteinander verbunden. Man kommt von überall nach überall.
- Der Radbeauftragte fährt regelmäßig die Strecken ab und führt Befragungen durch, um Optimierungsbedarf zu erkennen.
- Winterdienst: vor den Straßen werden die Radwege geräumt! Das ist eine klare Priorisierung der Stadtverwaltung.
- Bestimmt hab ich irgendwas vergessen. Für uns der Clou: unser Hotel hat kostenlos Räder verliehen. Die standen vor der Tür. Das war megaeasy.
In der Reportage wurde übrigens so ein Workshop gezeigt. Ein Schweizer, ein Deutscher und ein Amerikaner fragen, was der alles entscheidende Punkt ist. Die Antwort aus Oulu: die klare politische Entscheidung. Und genau daran scheitert es in anderen Städten.

Wirklich breite Radwege, ab hier keine Autos mehr

Wie ist es, durch Oulu zu radeln? Entspannt natürlich, was sonst? Die Wege sind nicht nur gut ausgebaut, sondern auch exzellent ausgeschildert. Du brauchst nicht mal Google. Nur ein Ziel.
Es gibt unglaublich viele Schilder. Der Schilderwald sucht seinesgleichen. Aber die Beschilderung ist eindeutig. Selbst wir haben das sofort verstanden.
Wie in Helsinki und Rauma ist auch hier viel über Zebrastreifen geregelt. Fußgänger haben immer Vorrang. Aber die Wege sind oft so gelegt,dass sie sich nicht kreuzen.
Natürlich sind es nicht so viele Menschen wie in Berlin. Das ist schon klar. Aber auch in Berlin könnte eine klare Entscheidung den Radfahrern das Leben erheblich erleichtern, die Luft in der Stadt verbessern. Was ist eigentlich aus dem Konzept der Fahrradstraßen geworden?
Egal, zurück zu Oulu. Samstag regnet es ohne Unterlass. Wir gehen optimistisch durch die Straßen, über den Marktplatzund durch die Markthalle. Dann wenden wir uns Richtung Meer nach Nallikarri. Leider wird der Regen stärker und wir echt nass.


















Die ganze Stadt ist voll mit Cosplayern, Manga-Mädelz, Drag-Queens, Regenbogenflaggen, Federboas und Grufties. Allein diese bunte, gut gelaunte Menschenansammlung macht schon Spaß. Wir bekommen nicht wirklich heraus, wo sie sich alle treffen.
Unserem Hotel gegenüber ist Harry’s Bar. Die sieht geschlossen aus. Aber ab ca. halb 10 versammeln sich viele junge aufgebrezelte Leute in unserer Straße. Wunderbar zu sehen, dass es keine Insta-Schönheiten sind, die alle gleich aussehen. Es gibt viele unterschiedliche Typen. Es gibt einen Wolkenbruch und Sturmböen. Sie bleiben da, bis um 22 Uhr der Club öffnet. Für uns wird es eine unruhige Nacht, aber sie haben sehr viel Spaß.
Achja, Marci nutzt die Sauna in unserem Zimmer ausgiebig. Ja, in unserem Hotelzimmer. Im Bad. Ein wenig größer als die Duschkabine. Ausreichend Platz für 2. Ein bisschen dekadent, aber schon irgendwie cool.
Am Sonntag geht unsere Reise weiter. Da das Wetter in Oulu toll wird, entscheiden wir uns für einen späteren Zug und machen vorher noch eine Radtour. Sehr gute Entscheidung!








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