Kategorie: Finnland 2026

  • Was bleibt: Haparanda

    Was bleibt: Haparanda

    Als ich im Sommerurlaub 2023 mit Mann und Sohn mit dem Auto in Schweden Richtung Norden fuhr und das 1. Mal auf einem Straßenschild den Namen Haparanda las, wurde der Name schnell zum geflügelten Wort für etwas Unerreichbares, für einen Sehnsuchtsort. Ohne dass wir irgendetwas über Haparanda wussten.

    Wir wussten nur, dass es am Bottnischen Meerbusen liegt und die schwedische Stadt an der Grenze zu Finnland ist. Auf finnischer Seite liegt dann Tornio. Dazwischen fließt der Fluss Torneälven auf Schwedisch bzw. Tornionjoki auf Finnisch. Ein 410 km langer Fluss in Lappland. An dem wir in Laxforsen bei Kiruna in einer Hütte gewohnt haben. Er ist bekannt als Abfluss des Torneträsk, eines großen Sees im schwedisch-norwegischen Grenzgebirge in Lappland. An dem unter anderem Abisko liegt.

    Es war klar, dass wir auf unserer Reise damals mit dem Auto nicht bis Haparanda kommen würden. Aber es klingt so schön. Haparanda…

    Einmal nach Haparanda!

    Einfach weil es so schön klingt und so weit weg ist und so unerreichbar weit im Norden liegt.

    Jahre später planten wir unsere 1. Interrail-Reise und überlegten von Schweden nach Finnland zu fahren. Natürlich über Haparanda. Schienen haben wir da auf der Karte gesehen. Warum gab es keine Zugverbindungen über Haparanda nach Finnland? Kein Fahrplan half. Keine App fand eine Verbindung. Es ging nicht mit dem Zug von Schweden nach Finnland. Warum?

    Irgendwann fanden wir dann heraus, dass sich die Spurbreite finnischer Schienen von denen Schwedens (und Resteuropas) unterschied. Nur Güterverkehr kann durch spezielle Weichen und Züge die Grenze passieren. Die Finnen haben die gleiche Spurbreite wie die Russen. Der Rest Europas hat die Spurbreite der Briten übernommen.

    Man könnte von schwedischer Seite bis Haparanda fahren, dann über die Grenze ins finnische Tornio laufen und dort in einen finnischen Zug steigen. 4 km laut Google. Für unsere allererste Zugreise und die erste Reise mit großen Rucksäcken überhaupt schien uns das zu weit.

    Postkarte aus Haparanda!

    Im Jahr darauf las ich bei in der Zugpost in der Postkarte aus Haparanda, dass eine Zugverbindung für Personen zwischen Schweden und Finnland eingerichtet werden soll. Im Sommer 2026! Das passte zu unserem Finnlandurlaub 2026 .

    Die VR App der finnischen Bahngesellschaft wusste allerdings noch nichts davon. Ab Ende Juli 2026 sollten die Züge fahren. Tun sie aber nicht. Solange wir unsere Finnland-Reise planten, gab es noch keinen Fahrplan für diese Verbindung. Also buchten wir mit dem Nachtzug von Kemi nach Helsinki und dem Flugzeug von Helsinki nach Berlin eine relativ schnelle Verbindung zurück nach Hause.

    Als wir dann schließlich am 9. August 2026 auf dem Bahnhof Kemi ankommen, sehen wir einen Wegweiser zu den Busverbindungen nach Tornio und Haparanda, siehe das Bild oben. So nah war ich noch nie an Haparanda. Hier würde der Bus abfahren. Haparanda…

    Schlussendlich werden die Züge von Finnland nach Haparanda ab 10.8.2026 fahren. Also einen Tag nach unserer Ankunft in Kemi. Das heißt, wir hätten die allerersten Reisenden auf dieser Route sein können. Für unter 5 Euro. In 35 Minuten. Einmal sehr früh vor 7 Uhr und einmal am Abend gegen 21 Uhr.

    Wir sehen die Verbindung tatsächlich in der App erst nach unserer Ankunft in Kemi und lange, lange nachdem wir den Nachtzug nach Helsinki und den Rückflug gebucht hatten. Dieses Mal also nicht. Aber ganz knapp. Ganz knapp.

    Zugvögel

    Kennt Ihr den Film „Zugvögel … Einmal nach Inari“ mit Joachim Król von 1998? Diese fantastische Liebeserklärung an das langsame Reisen in Zügen und den ureigensten Humor der Finnen? Absolut sehenswert.

    In diesem Film wird über den besten Weg nach Inari philosophiert. Der schönste Weg nach Inari führt über Haparanda in Nordschweden.

    Was bleibt also? Einmal nach Haparanda!

    Die Zugpost schreibt übrigens auch über Sebastians Reise vom schwedischen Luleå ins finnische Kemi. Ab Haparanda dann mit dem Bus. Sein Blogpost klingt so verlockend.

    Ein Träumchen darf bleiben. Igrendwann vielleicht fahren wir hier oben noch einmal mit dem Zug, Dann nach Haparanda. Und nach Kemijärvi. Kolari ist auch mit dem Zug erreichbar.

    Übrigens: Nächsten Winter geht es nach Inari. Allerdings mit Flieger und Auto 😉

  • Angekommen, wieder zu Hause

    Angekommen, wieder zu Hause

    Einen letzten Review Artikel gibt es vielleicht noch oder auch nicht. Ich muss heute schon wieder arbeiten,weil ich mit einer Kurzwoche starten wollte.

    Auf Bitte einer einzelnen Person schreib ich aber auf jeden Fall dieses Mal einmal kurz:

    Wir sind gut in Berlin angekommen. Es war ja dann nur noch der kleine Flughüpfer, mit dem wir uns 2 Tage Urlaub für die Rückreise gespart haben. Und der riesige Flughafen in Helsinki ist zwar internationales Drehkreuz nach Asien, aber trotzdem einer der entspanntesten Flughäfen, die ich kenne.

    Also, danke fürs Begleiten und bis zum nächsten Mal.

  • VR Nighttrain Santa Claus Express von Kemi nach Helsinki

    VR Nighttrain Santa Claus Express von Kemi nach Helsinki

    Santa Claus Express heißt er das ganze Jahr über. Lappland ist schließlich die offizielle Heimat des Weihnachtsmanns. Zumindest für Finnen.

    Der Zug ist die Verbindung des Südens nach Lappland. Von Helsinki oder Turku aus kann man bis Rovaniemi, manchmal sogar bis Kemijärvi in einem Rutsch durchfahren.

    Unsere Fahrt startet auf die Minute pünktlich um 22:30 Uhr in Kemi. Geplante Ankunft ist 8:29 in Tikkurila. Wir fahren nicht ganz bis Helsinki, weil wir ja zum Flughafen wollen.

    Es ist ein bisschen was los, aber die paar Hanseln verteilen sich ruhig und entspannt auf den sehr langen Zug. Die Gänge sind breiter. Wir kommen mit den Rucksäcken auf dem Rücken easy zu unsererm Abteil. Ein 2er Abteil für uns. Kein Gehuddel wegen unterschiedlicher Geschlechter!

    Das 2er Abteil ist eng, vielleicht sogar enger als im SJ, aber dort hatten wir ein 1. Klasse Abteil mit 3 Betten, in dem man auch sitzen konnte. 1. Klasse gibt es in Finnland nicht. Nur die Unterscheidung mit Bathroom oder ohne.

    Die Betten sind bequem, groß, länger und die Bettwäsche ist bezogen! Es liegen auch Handtücher bereit. Und 1 Flasche Wasser für jeden.

    Das Gepäck wird einfach unter dem unteren Bett verstaut. Kein Hochhieven auf 2,5m Höhe über Kopf notwendig.

    Da es keinen Teppich gibt, wirkt der Boden viel sauberer. Ich habe keinerlei Bedenken, meinen Rucksack unter das Bett zu schubsen.

    Ein letztes Mal muss ich über Toiletten schreiben. Auch in Finnland sind die nicht immer sauber und frisch in den Zügen. Vorsichtig öffne ich die Badezimmertür, mißtrauisch schnuppernd.

    Nichts! Kein Gestank. Es riecht einfach nach nichts. Und es wirkt sauber. Und es ist sauber! Und funktionieren tut sie auch noch.

    Nur: wo ist die Dusche? Na, dann eben ohne Dusche, kein Problem. Ach doch, man kann das Waschbecken mit Spiegel komplett umklappen. Dann ist das Klo weg und dafür die Dusche da. Sehr platzoptimiert, sehr raffiniert. Und bequem.

    Es gibt Gebrauchsspuren, aber insgesamt wirkt es recht sauber.

    Mir fällt sofort auf, dass der Zug viel leiser ist und nur sanft ruckelt. Selbst Anfahren und Abbremsen ist sehr smooth.

    Es ist schon spät, die Fahrt gar nicht so lang. Also legen wir uns sofort schlafen. Außerdem sind wir immer noch sehr satt und ein bisschen angedüselt.

    Ich liege im angenehmen Bett, lausche den leisen Geräuschen des Zuges und lasse mich in den Schlaf schaukeln. Dass wir Nachbarn haben, merke ich erst am Morgen. Alle sind sehr ruhig in unserem Wagen.

    Die Treppe ist hier fest installiert. Man muss ein bisschen klettern können, Beweglichkeit ist von Vorteil. Kein Gehuddel mit der Leiter, keine Experimente, wohin mit der Leiter, keine Leiter über Nacht mitten im Abteil vor der Badezimmertür.

    Die Betten bieten mehr Platz nach oben, man kann also aufrecht sitzen.

    Es gibt ausreichend Haken überall und eine Uhr mit Weckfunktion direkt an jedem Bett.

    Was ich bemerkenswert finde, ist dass das Abteil abschließbar ist. Im SJ hat mich gewundert, dass ich mein Abteil mit meinen Habseligkeiten nicht abschließen konnte, wenn ich zum Beispiel ins Bistro gehe. Hier im VR geht das. Was nicht alles geht, wenn man will…

    Preis

    Mit dem Interrail Pass brauchten wir die Reservierung des Schlafwagens. Buchen konnten wir das nur in Helsinki oder telefonisch. Online ging das tatsächlich nicht. Dieser entspannte, erholsame, angenehme Nachtzug mit eigener Dusche und WC hat uns bei VR im eigentlich teuren Finnland sage und schreibe 74 Euro gekostet. Für 2 Personen. Also insgesamt für uns beide. Also 37 Euro pro Person. Unglaublich.

    Wir sind wirklich ausgeruht. Ich hatte Schwierigkeiten einzuschlafen, habe aber ganz entspannt gedöst. Am Morgen eine angenehme Dusche und frisch gemacht die nächste Reiseetappe angetreten. Ganz, ganz wunderbar.

    BTW: SJ hat uns für die nicht funktionierende Toilette inzwischen 50% der Kosten erstattet!

  • Kemi

    Kemi

    Sobald wir unsere Rucksäcke im Schneewittchen-Sarg abgeworfen haben, ziehen wir los. Wetter ist ganz gut, der alte Hafen nebenan verspricht gutes Essen.

    Im Meritähti, im Seestern, bekommen wir urig und lecker essen. Die nächsten Tage wollen wir wiederkommen. Wir laufen etwas am komplett verlassenen Badestrand vorbei, bestaunen mal wieder Omnigym Anlagen. Man kann easy die Gewichte verstellen und die Geräte an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Schon genial.

    In den Hafen sehen wir ein Schiff mit Touris einlaufen. Das machen wir morgen auch. Bestimmt ist das ein netter Ausflug. Wohin das Schiff fährt, bekommen wir schon noch raus.

    Am nächsten Tag herrscht Weltuntergang. Es ist so stürmisch, dass wir nach dem Frühstück die Beine wieder unter die Bettdecke stecken und erst einmal abwarten, bis der Regen nachlässt. Bootsfahrt? Never! Dann zotteln wir los Richtung Heimatmuseum.

    Man ahnt schnell, dass hier in Kemi eben noch was los war. Im Hafen gibt es viele geschlossene Kaffees, überall sind Sitzgelegenheiten. Schaukeln an Tischen am Hafen. Alles verlassen im stürmischen Regen. Und so viele Restaurants, Ravintulas. Und eine ganze Route durch Kemi mit reichlich Skulpturen.

    Tatsächlich fällt uns eine am Hafen sofort auf.

    Sotalapsipatsas: Statue eines Kriegskindes

    Ohne anfänglich zu verstehen, was sie darstellen soll, erkennen wir die Traurigkeit und Verzweiflung der Skulptur. Tatsächlich ist es eine Mahnung der Kriegskinder, dafür zu sorgen, dass nie wieder Krieg ausbricht. Bezogen auf den 2. Weltkrieg. Aus den 1990er Jahren. Von den Menschen, die in den 1940ern Kinder waren. Ich habe einen Kloß im Hals.

    Das Heimatmuseum ist im Kulturzentrum und kostenlos. Die Ausstellung ist wirklich umfangreich und informativ. Bisschen viel Text, alles auf Finnisch und Englisch.

    Wir lernen über die späten Anfänge Kemis und dass die Holzbearbeitung und der Hafen Kemi Bedeutung verschaffte.

    Der Fluss Kemijoki führt quer durch Lappland und eignete sich daher perfekt zum Flößen von Baumstämmen.

    Auf dem Weg von Oulu nach Kemi habe ich aus dem Zugfenster heraus gesehen, dass hier viele Wälder in Monokulturen angelegt wurden. Schnurgerade Kiefern ohne Bewuchs am Waldboden, dazwischen immer wieder kahl gerodete Flächen. Holzwirtschaft halt. Die Rodungen sahen wie Wunden im Wald aus.

    Die größte Dampf betriebene Sägemühle entstand hier auf der Insel Laitakari vor Kemi im 19. Jahrhundert. Inzwischen wird das Holz woanders verarbeitet, aber Kemis größte Arbeitgeber sind eine Papierfabrik und 2 internationale Häfen. Den Tourismus versuchen sie auszubauen.

    Tatsächlich hat die Stadt Kemi den ausgemusterten Eisbrecher Sampo gekauft und zum Passagierschiff umgebaut. Auch das Snow Castle ist in öffentlicher Hand. Das finde ich interessant: kein Unternehmer hat sich das ausgedacht, sondern die Stadtverwaltung. Ich guck auf dieses Disneyland mit einem anderen Blick.

    Wir gehen noch ein bisschen Kaffee trinken und kommen dann völlig durchnässt wieder in unserem Schneewittchen-Sarg an. Die Klamotten müssen wir föhnen. Abends freuen wir uns auf unser Seesternchen und wollen dort gleich nach Leih-Rädern für den nächsten Tag fragen.

    Pustekuchen. Ist zu. Die anderen Ravintola auch. Mist. Wir finden natürlich was, werden nochmal nass und schlafen gut in unseren letzten Urlaubstag.

    Passend zu unserem Eindruck schreibt Sebastian Wilcken gerade in seinem Newsletter über den kurzen Sommer, der in Finnland Ende Juli zu Ende geht.

    Dienstag soll das Wetter besser werden. Wo denn? Jedenfalls nicht hier! Es regnet, stürmt und hat nur noch 9°.

    Wir trödeln beim Auschecken, stellen dann unsere Rucksäcke bis 21 Uhr immerhin an der Rezeption ab. Gut, dass wir die nicht den ganzen Tag mitschleppen müssen.

    Unser Nachtzug geht um 22:30 Uhr… So richtig eine Wanderung gibt es fußläufig nicht, aber einen Spaziergang am Meer können wir machen. Als wir mittags losgehen, fängt es wieder an zu regnen. Dieses Mal dürfen die Hosen nicht nass werden, wir haben keinen Föhn mehr. Also nochmal Café Hertta am Bahnhof und den Regen abwarten.

    Als wir schließlich losgehen, ist es zwar trockener, aber immer noch bitterkalt. Man hört die Papierfabrik stampfen wie in einem dystopischem Film über die Industrialisierung.

    Jetzt reißt es doch etwas auf und der Himmel wird ein wenig blau.

    Abends hat am Hafen noch ein Ravintola offen, das Sataman Krouvi. Sie haben eine Firmengruppe da, bringen unsere Bestellungen durcheinander und wir müssen ganz schön warten. Aber sie sind dabei so charmant, geben uns noch ein Bier aus – und ein Glas Bier kostet 10 Euro – und am Ende ist das Essen dermaßen lecker, dass dieser Abend eines der Highlights unseres Urlaubs wird. Vollgepumperlt und leicht abgefüllt mit jeweils 2-3 lokalen Bieren aus Tornio wanken wir zum Glass Village, um unsere Rucksäcke einzusacken und zum Bahnhof zu rollen. Dort angekommen müssen wir gut 1 Stunde warten. Der Tag wird lang und länger.

    Am Bahnhof steht noch immer der Zug mit den Baumstämmen, den ich mittags schon gesehen habe. Am Tag unserer Ankunft in Kemi ist mir die ungeheure Menge an Waggons zum Transport von Baumstämmen aufgefallen. Von Horizont zu Horizont nur solche Wagen, soweit das Auge reicht. Und jetzt riecht es gut. Warum riecht frisch gesägtes Holz so gut? Der Duft des Todes?

  • Tunesiaten und Chinaer, Ghanesen und Kongoer

    Tunesiaten und Chinaer, Ghanesen und Kongoer

    Marci hat mal wieder Wort-Torette. Wenn man erst einmal anfängt, über die Bewohner verschiedenster Länder nachzudenken und sich zu fragen, warum Menschen aus Monaco Monegassen heißen und nicht Monacaer. Und warum die aus Madagaskar Madagassen heißen. Gibt eine Verbindung zwischen Monaco und Madagaskar? Und warum heißen die aus Portugal Portugiesen? Dann hat man ein Hobby für lange Zugfahrten.

    Montenegriener oder Montenegrer? Serben kommen aus Serbien, Kroaten aus Kroatien, aber aus Bosnien kommen Bosnier, warum mit i, warum nicht Bosner? Chinesen aus China, aber in Ghana wohnen Ghanaer, keine Ghanesen.

    Spanier aus Spanien, Argentinier aus Argentinien und Belgier aus Belgien, aber aus Albanien und Bulgarien kommen keine Albanier und keine Bulgarier.

    Wir haben noch viel Zeit… 200 Länder.

  • Glass Village Kemi

    Glass Village Kemi

    Wie sind wir hierher geraten? Sehenden Auges hätten wir so eine Unterkunft nie gebucht. Für uns ist das eigentlich nicht der richtige Ort.

    Eigentlich wollten wir nach Tornio – dazu später mehr. Aber unsere Urlaubstage nähern sich ihrem Ende und wir müssen rechtzeitig wieder in Helsinki sein, um unseren Flug zu erwischen. Der Rückweg aus Tornio dauert länger.

    Jedenfalls entdeckte ich in Kemi ein Glass Village direkt am Meer. Irgendeine Unterkunft brauchen wir ja, warum also nicht diese?

    Diese Glas-Iglus sind natürlich eigentlich zum Auroragucken da. Dafür ist das die falsche Jahreszeit. Es ist durchgehend hell, obwohl die Mitternachttssonne schon lange vorbei ist. In Kemi geht die Sonne nur an 2 Tagen, am 21. und 22. Juni, gar nicht unter. Zur Zeit haben wir ein paar Stunden bürgerliche und nautische Dämmerung, aber keine Nacht. Mehr dazu bei timeanddate.de.

    Die Dach-Rollos haben wir letzte Nacht offen gelassen und ab 3 oder so war es taghell, obwohl es komplett bewölkt und regnerisch ist. An der Rezeption verkaufen sie Schlafmasken…

    Was kann man hier machen? Kemi ist die einzige Stadt am Meer in Lappland und hat knapp 20.000 Einwohner. Im Winter ist die Ostsee hier oben zugefroren. Dann gibt es die üblichen Lappland-Aktivitäten: Huskies, Rentiere, Snowmobil, Eisfischen. Und hier eben gibt es den Eisbrecher. Den einzigen Eisbrecher Sampo, der für die touristische Nutzung umgebaut wurde. Deswegen heißt das Betreiberunternehmen des Glass Villages hier auch die Icebreaker Company. Ah.

    Und dann? Glaubt ihr nie! Baden in der zugefrorenen Ostsee!

    In Salla lernten wir ein Pärchen kennen, das völlig begeistert von diesem Abenteuer erzählt hat. Eingepackt wie ein Michelinmännchen wird man in die durch den Eisbrecher aufgebrochene Ostsee gehievt und treibt dann ein bisschen darin rum. Bewegen kann man sich in den Anzügen nicht.

    Genauso künstlich wie dieses „Abenteuer“ wirkt der Ort hier. Ein riesiger Giftshop mit rosa Plüsch-Rentieren und industriellen Norwegerpullis aus Polyacryl. Dazwischen ein paar „Produkte aus Lapland“. Vielleicht. Eine Gem-Ausstellung und ein Snow Castle. Im Snow Castle kann man Eisskulpturen sehen wie in Jukasjärvi im Ice Hotel, nur viel kleiner (ich würde jetzt auf den Artikel verlinken, aber die alten Tagebücher sind ja weg 🙁 ). Natürlich kostet das alles Extraeintritt. Nur 10 Euro.

    Es gibt natürlich eine Sauna, ab 150 Euro! Ich will sie ja nicht kaufen, nur nutzen. Ein Jakkuzzi mit Meerblick, ebenfalls 150 Euro. Sie werben mit Luxus, aber alles wirkt blutleer und steril.

    Wir amüsieren uns köstlich, liegen jetzt in unserem Schneewittchen-Sarg, so wirkt die Glass Villa, die wir gebucht haben. Wenn ich mich etwas drehe, sehe ich ein Stück tobende Ostsee. Um uns herum tobt Sturm und Regen. Wir hören den Sturm, haben es aber warm und kuschelig. Schon lustig. Vorhin sah ich ein Zelt auf dem angrenzenden Campingplatz – und hatte ein bisschen Mitleid. Was bin ich froh…

    Der Regen wird über den Tag eher zunehmen. Zu dieser Jahreszeit kann man … Essen gehen. Außer einem geschlossenen Schwimmbad, ein paar Supermärkten und einem Intersport gibt es unzählige Restaurants. Vielleicht besuchen wir nachher mal das Heimatmuseum im Rathaus…

  • Fahrradstadt Oulu

    Fahrradstadt Oulu

    Als wir anfingen, über diesen Urlaub nachzudenken, habe ich an einem Winter-Wochenende die ARD Mediathek nach Reportagen über Finnland abgegrast. Darum waren wir in Rauma. Und darum wollte ich nach Oulu.

    Oulu hat vor mehr als 20 Jahren die politische Entscheidung getroffen, den Radverkehr zu fördern. Das war nicht nur eine Absichtserklärung. Es wurde eine Vollzeitstelle geschaffen. Der Radfahrbeauftragte hatte die alleinige Aufgabe, den Radverkehr zu fördern. Und er bekam sogar ein Budget.

    Heute werden in Oulu Workshops für Verantwortliche aus aller Herren Länder angeboten, die sich darüber informieren, wie das gelingen kann.

    Man muss dabei bedenken, dass Oulu weit im Norden liegt. 6 Monate im Jahr ist es dunkel. Es liegt viel Schnee, -20° sind keine Ausnahme.

    Oulu hat 216.000 Einwohner. Die meisten haben ein Auto. Wer ins Umland will, braucht ein Auto. Aber innerhalb der Stadt bewegt sich ein Großteil der Bevölkerung mit dem Fahrrad.

    Was braucht es dafür?

    1. Separate Radrouten, die unabhängig vom Straßenverkehr sind. Man kann teilweise kilometerweit fahren, ohne einem Auto zu begegnen.
    2. Ausreichend breite Wege, so dass man mindestens zu zweit nebeneinander fahren kann. Alle Wege sind breit genug, um mindestens 3 Räder parallel aneinander vorbei fahren zu lassen. Viele Wege sind 6m breit. Das reicht locker für Fußgänger und Radfahrer in beide Richtungen.
    3. Guten Bodenbelag. Die meisten Wege, die wir gesehen haben sind asphaltiert. Das ist im Winter sicherlich von Vorteil.
    4. Licht! Alle Radwege sind beleuchtet. Wie gesagt, der Winter ist recht dunkel in Oulu.
    5. Alle Bezirke sind miteinander verbunden. Man kommt von überall nach überall.
    6. Der Radbeauftragte fährt regelmäßig die Strecken ab und führt Befragungen durch, um Optimierungsbedarf zu erkennen.
    7. Winterdienst: vor den Straßen werden die Radwege geräumt! Das ist eine klare Priorisierung der Stadtverwaltung.
    8. Bestimmt hab ich irgendwas vergessen. Für uns der Clou: unser Hotel hat kostenlos Räder verliehen. Die standen vor der Tür. Das war megaeasy.

    In der Reportage wurde übrigens so ein Workshop gezeigt. Ein Schweizer, ein Deutscher und ein Amerikaner fragen, was der alles entscheidende Punkt ist. Die Antwort aus Oulu: die klare politische Entscheidung. Und genau daran scheitert es in anderen Städten.

    Wie ist es, durch Oulu zu radeln? Entspannt natürlich, was sonst? Die Wege sind nicht nur gut ausgebaut, sondern auch exzellent ausgeschildert. Du brauchst nicht mal Google. Nur ein Ziel.

    Es gibt unglaublich viele Schilder. Der Schilderwald sucht seinesgleichen. Aber die Beschilderung ist eindeutig. Selbst wir haben das sofort verstanden.

    Wie in Helsinki und Rauma ist auch hier viel über Zebrastreifen geregelt. Fußgänger haben immer Vorrang. Aber die Wege sind oft so gelegt,dass sie sich nicht kreuzen.

    Natürlich sind es nicht so viele Menschen wie in Berlin. Das ist schon klar. Aber auch in Berlin könnte eine klare Entscheidung den Radfahrern das Leben erheblich erleichtern, die Luft in der Stadt verbessern. Was ist eigentlich aus dem Konzept der Fahrradstraßen geworden?

    Egal, zurück zu Oulu. Samstag regnet es ohne Unterlass. Wir gehen optimistisch durch die Straßen, über den Marktplatzund durch die Markthalle. Dann wenden wir uns Richtung Meer nach Nallikarri. Leider wird der Regen stärker und wir echt nass.

    Die ganze Stadt ist voll mit Cosplayern, Manga-Mädelz, Drag-Queens, Regenbogenflaggen, Federboas und Grufties. Allein diese bunte, gut gelaunte Menschenansammlung macht schon Spaß. Wir bekommen nicht wirklich heraus, wo sie sich alle treffen.

    Unserem Hotel gegenüber ist Harry’s Bar. Die sieht geschlossen aus. Aber ab ca. halb 10 versammeln sich viele junge aufgebrezelte Leute in unserer Straße. Wunderbar zu sehen, dass es keine Insta-Schönheiten sind, die alle gleich aussehen. Es gibt viele unterschiedliche Typen. Es gibt einen Wolkenbruch und Sturmböen. Sie bleiben da, bis um 22 Uhr der Club öffnet. Für uns wird es eine unruhige Nacht, aber sie haben sehr viel Spaß.

    Achja, Marci nutzt die Sauna in unserem Zimmer ausgiebig. Ja, in unserem Hotelzimmer. Im Bad. Ein wenig größer als die Duschkabine. Ausreichend Platz für 2. Ein bisschen dekadent, aber schon irgendwie cool.

    Am Sonntag geht unsere Reise weiter. Da das Wetter in Oulu toll wird, entscheiden wir uns für einen späteren Zug und machen vorher noch eine Radtour. Sehr gute Entscheidung!

  • Von Konnevesi nach Oulu

    Von Konnevesi nach Oulu

    Aus dem Zugfenster kann man nicht fotografieren. Erkennt man auf dem Bild oben den Regen?

    Es geht heute ein ganzes Stück weiter nach Norden. Etwas wehmütig verlassen wir Pöllötupa und die fantastische Sauna dort. In den 19 Grad kühlen See hüpfen und sich wirklich erfrischen, um dann wieder in der Sauna aufzuwärmen, das werde ich vermissen. Und das Ruderboot.

    Wir reisen in die Kulturhaupstadt 2026, nach Oulu. Oder auf schwedisch Uleåborg. Dazu fahren wir mit dem Auto nach Jyväskylä zurück und übergeben es persönlich am Bahnhof. Ein sehr freundlicher Mitarbeiter der Autovermietung schaut nicht mal genau auf das Auto. Sowas von entspannt. Natürlich ist er pünktlich, so dass wir vor der Abfahrt des Zuges im Bahnhof sogar noch was Leckeres essen können.

    Zuerst geht es 1 Stunde nach Pieksamati. Dort haben wir 8 Minuten Umsteigezeit für den Zug nach Oulu. Was soll ich sagen? 8 Minuten sind absolut ausreichend, wenn die Züge pünktlich sind. Obwohl der Zug sehr voll ist, bekommen wir einen freien Platz.

    Wir haben einfach direkt vor der Abfahrt versucht, ein Ticket zu buchen, den Buchungsvorgang abgebrochen, uns aber die ausgewählten Plätze gemerkt. Man muss sich nur zu helfen wissen.

    Jetzt sitzen wir im langsamsten Intercity der Welt. Er fährt maximal 115 Stundenkilometer. Es wird immer leerer und damit auch entspannter im Zug. 12 Stationen immerhin. Um 19:45 werden wir ankommen.

    Die Landschaft zieht vorbei. Wälder und Seen. Anfänglich noch mehr Agrarlandschaften. Später dann mehr Wälder. Das Wetter zieht sich wieder zu. Es regnet immer mal wieder.

    Zu unserer Überraschung ist das Internet schlecht, sowohl unsere mobilen Daten als auch das Zug-WLAN. Wir können also nicht recherchieren, was in Oulu am Samstag so los sein wird. Wird sich finden.

    Inzwischen sind wir im Hotel. Das Hotelzimmer hat eine eigene Sauna, also wirklich im Zimmer, im Bad. Und gar nicht so klein. Wir könnten zu zweit darin sitzen.

    Äußerlich ist das Hotel und die Gegend eher uncharmant. Wir haben eine kleine Runde um den Block gedreht und recht unterschiedliche Eindrücke von Oulu bekommen. Wir sind halt wieder in einer Stadt.

  • Regen und Sonne am Konnevesi

    Regen und Sonne am Konnevesi

    Sonnensternchen
    Marci schwimmt wirklich im kalten See
    Regen
    Kurz vor Sonnenuntergang
    Die Sonne glitzert im See. Nach zahllosen Versuchen auf dem Foto eingefangen.
    Diese Farben, so grün, so blau.
    Trotz Regen draußen: Abendbrot am Saunahaus
    Üppige Blaubeeraträucher

  • Ein Friese verlernt das Rudern nie

    Ein Friese verlernt das Rudern nie

    Im Auto lässt er mich nicht ans Steuer, aber im Ruderboot bricht sich der alte Friese Bahn. Niemand kommt an die Skulls. Ich stelle erstaunt fest, wie souverän ich noch nach 38 Jahren ein Ruderboot beherrsche. Und wieviel leichter rudern ist als paddeln.

    Stippvisite bei der Nachbarin

    Wir fühlen uns sicher, das Wetter sieht gut aus. Wir wagen uns raus aus unserem Seitenarm in Richtung des Riesensees.

    Am Abend werden wir noch auf Blaubeerpfannkuchen eingeladen und erleben dadurch eine traumhafte Nachtfahrt. Dieses Licht…

    Nach Sonnenuntergang
    Langsam nach Hause
    Aufbruch auf dem nächtlichen See

    Jetzt wird die Sonne, die nicht mehr als 6 Grad unter dem Horizont steht, auch rot.

    Mitternacht am See, das Bild ist etwas unterbelichtet. Es war heller.

    P.S. falls sich jemand fragt, wieso Friese: als Teeni war ich Ruderin im SRC Friesen.

  • Pöllötupa, unser Mökki in Konnevesi

    Pöllötupa, unser Mökki in Konnevesi

    In Rauma sind wir gegen 9 mit dem Flixbus gestartet, in Pori in den Zug gewechselt, in Tampere umgestiegen und in Jyväskylä in den Mietwagen.

    Im Mietwagen von Jyväskylä nach Konnevesi im mittelfinnischen Seenland

    Dann haben wir uns um kurz nach 4 irgendwo in Konnevesi an einer Schotterstraße mit Tuija getroffen und sie hat uns zu unserer Pöllötupa geführt. Kompletter Tapetenwechsel vom Morgen in Rauma zum Nachmittag in Pöllötupa. Das Wetter ist grandios.

    Pöllötupa heißt Eulenhaus. Das Blockhaus liegt an einem Seitenarm eines riesigen Sees Majaatsalmi im mittelfinnischen Seenland. Der See ist so groß, dass er gleich mehrere Namen hat.

    Viele Bilder und Videos hat Tuija schon geschickt. Jetzt verstehe ich ihre Liebe zu diesem Ort und die Sehnsucht der Finnen nach einem Mökki, einem Sommerhaus. Zuerst dachte ich: naja, Ferienhaus am See mit eigener Sauna ist schon toll. Aber es ist noch so viel mehr: die Ruhe, die Luft, das Licht, die hohen Kiefern, das Rauschen der Birkenblätter, der Duft des Waldes, der Fisch, die Blaubeeren, die Pilze. Kann man gar nicht beschreiben.

    Pöllötupa ist ein Herz freundliches Haus. Es sind 93 Stufen vom Steg zum Haus. Da man ständig rauf und runter geht, ist das ein ausgefeiltes und gleichmäßiges Cardiotraining.

    Etwa auf der Hälfte gibt es ein Saunahaus. Holz befeuerter Saunaofen, mit Seewasser gespeiste Dusche, ein Raum mit Esstisch, Couch und Küchenzeile und selbstverständlich noch einer Terrasse.

    Aus der Sauna kannst du die Stufen hinunter flitzen und in den See hüpfen. Wunderbar erfrischend, unfassbar klares Wasser.

    Hier kann man richtig runterfahren und sich erholen. Irgendwo an den Stufen hocke ich mich immer hin und sammle ein paar Blaubeeren.

    Am Abend unserer Ankunft hat Tuija uns gleich zum Lachs eingeladen. Wir schlafen herrlich und lange und der nächste Tag wird wieder sonnig, ca. 20 Grad.

    Nacht in Konnevesi

  • Abschied von Rauma

    Abschied von Rauma

    Blaubeeren satt
    Wo lang denn nun?

    Noch einmal Kokkovuare, diesmal kürzen wir einen Teil des Wegs mit dem Bus ab. Nachdem es heute Vormittag viel geregnet hat, sind die Mücken sehr aktiv. Und das deutsche Biilig DM Zeugs hilft auch! Die sind schon aufdringlich, aber nachdem wir uns eingesprüht haben, umschwirren sie uns nur noch, landen aber nicht mehr.

    Mitten im Wald sind Kraftsportgeräte. Also nicht so die deutsche Pillepalle-Alibi-Variante, sondern ein Dutzend richtig stabile und anspruchsvolle Trainigsgeräte, die viel genutzt werden. Wieder auch von Menschen allen Alters. Eine wirklich ältere Frau, die Armstützübungen macht, beeindruckt mich echt. Daneben ein Spielplatz mit einer riesigen Seilbahn. Also wirklich was für jedes Alter. Wenn du als kleiner Batz schon immer dabei bist, gutes Vorbild!

    Später im Wald finden wir eine Disc Golf Bahn. Statt mit Golfbällen wird hier mit Diskus geworfen und gezielt.


    Die letzten beiden Tage in Rauma verlaufen – sagen wir mal, anders als geplant. Unseren Hike müssen wir etwas abrupt abbrechen. Ich fühle mich wie eine Kreiselpumpe, was unseren Bewegungsradius erheblich einschränkt.

    Zum Glück haben wir inzwischen das Bussystem verstanden, sind also schnell zurück. Die Bushaltestellen an sich sind auf der Straße leicht zu finden, aber es gibt keinerlei Schilder oder Fahrpläne: welcher Bus fährt hier wann und in welche Richtung? Das verrät die Webseite. Hat man das alles raus, ist es easy. Und während der Sommerwochen sogar kostenlos für alle.

    Als wir zurückkommen, hören wir eine Liveband auf einer Bühne. Spannend. Nach einer Zwangspause wagen wir uns nochmal los. Die Straßen sind voll mit zurecht gemachten Menschen. Sehr schick, sehr sexy, sehr bunt, sehr Punk, skurril, frech oder auch einfach sehr schräg. Aber selten normal oder gewöhnlich. Jede und jeder hat sich auf seine Art heraus geputzt. Sehr unterschiedlich altes Publikum. Neugierig folgen wir ihnen und der Musik.

    Vorglühen ist Volkssport. Überall sitzen vergnügte Menschen mit Bierdosen, auf Parkbänken, auf Picknickdecken oder sie stehen in Grüppchen zusammen. Man stelle sich vor: wir gehen mit den Spießies zu einem Konzert, treffen uns davor auf einer Parkbank in der Nähe und kippen erst einmal ein paar Dosen Bier hinter, bevor wir hineingehen.

    Es ist das Poppi Pauhaa Festivaali, heißt wohl soviel wie Poppi dröhnt.

    Über den Zaun auf die Bühne gespäht

    Diese Sprache ist einfach großartig. Und absolut kryptisch. Aber wir können ja hören. Wir überlegen, ob wir uns Tickets besorgen. Bestimmt lustig. 69 Euro für einen Tag. Meine Kreiselpumpe hält uns ab. Aber die Mukke klingt gut. Als ich wieder im Bett liege, öffnen wir die Balkontür und lauschen dem Konzert. Es ist nicht zu laut.

    Am nächsten Tag schleichen wir wieder ein wenig durch Rauma und um das Festival herum.

    Leider hat sich die Reichweite noch nicht deutlich vergrößert und morgen ist langer Reisetag. Also nochmal Bettchen. Ausruhen soll man ja auch im Urlaub 🙂

    Übrigens: Die Spitzenwoche Pitsiviikko fand eine Woche vorher statt. Sie war gerade zu Ende gegangen als wir hier ankamen. Schade.

    Ach ja, der Doppel-Rollator-Rolle: Wir haben jetzt schon öfter Senioren, wirklich alte Menschen, mit einem finnischen Rollator gesehen. Der nimmt das Rollen in Rollator ernst. Es sind 2 Tretroller parallel, vorn herum mit einem Gestell wie beim Rollator verbunden. Wir haben das erste Mal eine Seniorin mit so einem Ding fahren sehen und dachten, sie hätten einen elektrischen Antrieb. Sie rollte aber nur bergab. Später sahen wir sie wieder und da rollerte sie, musste also mit einem Fuß Anschwung geben. Das Ding ist hier recht verbreitet, bietet eine ordentliche Vergrößerung der Reichweite, ist viel cooler als ein normaler Rollator und ich glaube, es erhält in hohem Maße Fitness, wenn man früh genug anfängt. Auf jeden Fall lustig. Versteht sich, dass ich auch davon kein Foto habe. Würde ich etwas übergriffig finden.

    Morgen geht die Reise weiter mit Bus, Bahn und Auto ins Eulenhaus Pöllötupa im finnischen Seenland. Haus am See. Früh aufstehen.

  • Kylmäpihlaja

    Kylmäpihlaja

    Rauma liegt an der Ostsee nördlich von Turku. Ein bisschen nördlicher und gegenüber von Stockholm. Auch hier ist die Küste von Schären geprägt. Also Tausenden von Inseln, groß genug für mehrere Hauser oder ganz klein, nur ein Felsen. Unzählige Untiefen. Ein Kapitän muss genau wissen, wo er lang fährt. Die Beschilderung ist außergewöhnlich.

    Am Donnerstag fahren wir mit einem Vesibussi, einem Wasserbus, nach Kylmäpihlaja. Das ist die äußerste der größeren Inseln vor Rauma. Von hier aus öffnet sich der Blick auf den Horizont. Wir haben heute fantastisches Wetter: Sonne satt und angenehme 24 Grad. Warm genug für uns, um ans Meer zu fahren. Berlin schwitzt bei 38 Grad. Was bin ich froh, hier zu sein.

    Vesibussi, unser Wasserbus

    Nach ca. 1 Stunde Fahrt kommen wir in einem minikleinen Hafen an. An dieser Insel legt unser Wasserbus an. Auch Privatleute dürfen hier an Land gehen, die Sauna benutzen, Essen gehen und was man so als Yachtbesitzer noch macht.

    Wir werden 6 Stunden hier bleiben. Schnell wird uns klar, dass wir innerhalb von 20 Minuten die Insel komplett umrunden und jeden Weg ablaufen können. Trotzdem ist die Insel so faszinierend, dass uns die Zeit nicht lang wird.


    Der Leuchtturm und das Lotsenhaus wurden 1952 errichtet. Hier kamen 4 Leuchtturmwärter und 8 Lotsen unter. Nach unserer Fahrt durch die Schären ist uns völlig klar, warum es die Lotsen auf dieser äußeren Insel brauchte. Ohne Hilfe kommt hier niemand durch die Untiefen zum Hafen nach Rauma.

    Der Rückweg durch die Schären:

    Wenn man vom Wasser kommt, sieht man den riesigen Hafen von Rauma.

    Alles Hafen, lauter Container und Hebekräne

    Knapp 40.000 Einwohner hat Rauma. Unser Weg zur und von der Marina Vista zurück führt uns durch Wohngebiete. Nicht alle Häuser sind schön.

    Unser Haus ist modern, aber auch ein Würfel. Wir haben natürlich keinen Balkon.

  • Hike Kokkovuare

    Hike Kokkovuare

    Natur! Man kommt ganz gut aus Rauma raus. Es gibt wohl auch Busse, das haben wir noch nicht verstanden. Egal, ein paar Kilometer laufen und man ist draußen.

    Mittwoch also geht es mal in die Natur. Endlich!

    Der Wald, die Luft, die Moose und natürlich querfeldein.

  • Vanha Rauma

    Vanha Rauma

    Die UNESCO Weltkulturerbestätte Vanha Rauma ist der größte, zusammen hängende erhaltene Holzhaus-Stadtkern in den nordischen Ländern. Die Struktur der Gassen stammt teils dem Mittelalter, die ältesten Häuser aus dem 18. Jahrhundert.

    Am Dienstagnachmittag ist es noch regnerisch und echt leer in den Gässchen.

    Jetzt haben wir ausreichend Häuser gesehen und wollen noch ein wenig laufen. Die Sonne scheint so schön. Es ist dieses helle, fast weiße Licht. Grell, aber nicht so brennend wie bei uns im Sommer. Wir suchen mal die Marina, wo auch die Schiffe in die Schären abfahren.


    Dieser Kirchturm bietet keinen Blick über die Stadt. Das Dach wirkt wie mit Alufolie eingewickelt. Schneiden die die Fenster noch frei?

    Außerhalb des historischen Stadtkerns zeigt sich Rauma wie die meisten finnischen Städte, die wir bisher gesehen haben: irgendwie sozialistisch, sowjetisch. Baumfreie Straßen, viele nüchterne Hochhäuser, Plattenbauten. Irgendwie trostlos. Aber dann kommen wir an die Küste.

    Natürlich ist hier wieder eine Sauna direkt am Wasser.

  • Reisen in Finnland

    Reisen in Finnland

    Tschüß, Helsinki. Tschüß, Milas Wohnung. Wir haben über AirBnB eine private Wohnung einer Musillehrerin gebucht. Das ist schon sehr privat. Mitten im Wohngebiet. Unsere Vermieterin ist offenbar eine interessante Person. Die Wände voller Bilder und Plakate, Platten, ein Klavier.

    Eigentlich ist alles spannend. Sie bittet darum, nicht in ihre Schränke zu schauen. Machen wir natürlich nicht, aber ich fühle mich trotzdem wie ein Eindringling. Komisches Gefühl.

    Und Tschüß, Frank Zappa, der uns bei jedem Klobesuch begleitete.

    Unsere Wege trennen sich jetzt. Am Montag reisen wir in getrennte Richtungen weiter. Für Marci und mich geht es nach Rauma an der Ostsee.

    Martina im Zug zum Flughafen. Manuela auf dem Bahnsteig. Spiegelung in der Zugtür.

    Rauma hat einen Bahnhof. Aber warum fährt kein Zug dorthin? Von Helsinki fahren wir bis Tampere. Der Zug ist voll. Mit dem Interrailticket brauchen wir keine Platzreservierung. Also keine Zusatzkosten. Wir haben aber auch keinen gebuchten Sitzplatz. Man kann an den Sitzen nicht erkennen, ob sie gebucht sind. Es ist also etwas aufregend.

    Nicht jeder Finne spricht gut und leicht Englisch. Die Kommunikation ist manchmal holperig. Aber die meisten sind sehr entspannt und flexibel. Hände und Füße helfen. Diese Erfahrung habe ich lange nicht mehr gemacht. Meist kommt man ja mit Englisch gut durch.

    Ein Mann murmelt etwas auf Finnisch zu uns, dreht sich dann um und verschwindet. Ratlos schauen wir ihm nach. Wir wären ja aufgestanden. Offenbar hatte er eine Reservierung für meinen Platz. Wir reimen uns zusammen, dass er wohl einfach ins Bistro gegangen ist.

    Im Tampere steht wieder Personal bereit, wie wir es auch aus Schweden kennen. Ich liebe das. Sie sieht meinen suchenden Blick, meinen Griff zum Handy und spricht mich gleich an, wonach ich suche. Ist das nicht toll? Und zum Glück tut sie das. Denn unser Zug steht schon auf dem Gleis, nur am allerentferntesten Ende. Also hop-hop. 8 Minuten Umsteigezeit sind vollkommen ausreichend, wenn Züge pünktlich sind…

    Der nächste Zug ist recht leer und fährt nach Pori an der Ostsee. Dort steigen wir in einen Bus um.

    Diese Sprache …zum Glück steht oft die englische Übersetzung dabei.
    Regen am Bahnhof von Pori. Es wirkt ein bisschen trostlos.

    Der Bus ist wieder rappelvoll. Und nicht nur mit angenehmen Menschen. Ok, wer fährt mit dem Überlandbus und nimmt nicht das eigene Auto? Wir wollten es ja so. Die 45 Minuten vergehen schnell.

    Ganz langsam wird die Gegend etwas ländlicher und agrarischer. In Rauma regnet es immer noch, aber wir haben nur einen kurzen Weg in ein sehr modernes und sauberes Appartement.

    Ich bin fertig auf der Bereifung. Marcel hüpft in den Supermarkt auf der anderen Straßenseite und besorgt Pizza. Appartement heißt: eigene Küche. Endlich mal nicht essen gehen.

    Es regnet die ganze Nacht durch und hört gar nicht auf. So haben wir Dienstag vormittag Gelegenheit, lange auszuschlafen, im Bett zu frühstücken und in Ruhe die nächsten Tage zu planen. Schließlich haben wir Rauma bis Donnerstag gebucht, sind aber erst am Sonntag in unserem Pölletuppa, unserem Haus am See. Was machen wir an den 3 Tagen dazwischen?

    Schlussendlich beschließen wir, einfach bis Sonntag hier in Rauma zu bleiben und Ausflüge in die Schären zu unternehmen. Am Wochenende ist Spitzenfest. Naja, nicht ganz unser Thema, aber die Altstadt Vanha Rauma wird lebendig sein, viele Menschen, bestimmt viel Skuriles und Livemusik. Klingt gut, auch geklöppelt.

  • Nordlicht

    Nordlicht

    Es gab kein Nordlicht. So hohe Berge gibt es nicht in den Schären. Es war ja nicht einmal so dunkel!

    Wenn man dieses Bild in klein auf der Speicherkarte der Kamera sieht, kann man ganz schön ins Grübeln kommen. Zu dritt haben wir gebrütet.

    Am Ende war des Rätsels Lösung: Um die Kamera auf dem Schiff vor dem Regen zu schützen, habe ich sie in meine giftgrüne Jacke gesteckt. Und dabei wohl ausgelöst. So entsteht Nordlicht…

  • Botanischer Garten und Ateneum

    Botanischer Garten und Ateneum

    Im Juttatupa gibt es Samstagabend Livemusik. Die Gäste sind sehr divers. Ein einsamer Cowboy komplett in schwarz, kleine gemischte Gruppen, einige Frauen in Petticoats, voll tätowierte harte Kerle, viele ganz normale Leute, Touristen, Einheimische jeden Alters. Und die besten Fritten ever…

    Am Sonntag regnet es dann ausgiebiger. Museum ist angesagt. Wir gehen in die Nationalgalerie Ateneum und schauen uns Eero Nelimarkka und finnische Kunst im Lauf der Zeit an „A Question of Time“. Allein das Gebäude…

    In einer Regenpause hüpfen wir im Botanischen Garten vorbei. Wie so oft ist auch dieser kostenlos. Nur für die Gewächshäuser muss man Eintritt zahlen

    Zum Abschluss gibt es müde letzte Schritte durch die sehr spezielle, verregnete Hauptstadt Finnlands. Alles ist fußläufig erreichbar und dichte beisammen. Gern hätte ich die Menschen fotografiert. Speziell, extravagant, selbstbewusst, markant und sehr divers. Überraschend viele internationale Touristen. Migranten. Und Armut.

    Kaufhaus Stockmann für diejenigen, die zu viel Geld haben.
    Diese Hörnchen haben definitiv zu große Ohren…
    Metroeingang

  • Oodi

    Oodi

    Du kannst lesen. Auch lesen. Es gibt auch Bücher. AUCH. Es gibt Tonstudios, 3D Drucker, Nähmaschinen, Roboter, Gamingrooms und so unfassbar viel mehr. Das Ganze verpackt in eine spektakuläre Architektur. Allein Oodi ist eine Reise nach Helsinki wert. Hier nur ein klitzekleiner Einblick.

    https://oodihelsinki.fi/en/

    Und am Samstag nachmittag ist es richtig voll. Menschen staunen, lesen, spielen, schlafen,schauen Filme, hören was auch immer, lernen gemeinsam, nähen, zeichnen, singen, diskutieren leise und was weiß ich. Der Ort vibriert förmlich vor Kreativität.

  • Suomenlinna

    Suomenlinna

    Rückfahrt nach Helsinki mit der „BVG“, HSL

    Hafen und Dom von Helsinki
    Orthodoxe Kirche von Helsinki

  • Helsinki

    Helsinki

    Kiasma Museum für Zeitgenössische Kunst
    Eingangsbereich Kiasma Museum für Zeitgenössische Kunst
    Dom vom Helsinki im Abendlicht
    Ende des 19. Jhds. wurde Helsinki nach dem Vorbild St. Petersburg aufgebaut.
    Senatori am Dom
    Leuchtreklame auf der Kaufhalle.
    Unten gibt es Lebensmittel
    Würden wir selbst kochen, würden wir hier definitiv einkaufen. Was für eine Auswahl!
    Oben gibt es wirklich schönes Kunsthandwerk. Ob wir doch noch Platz im Rucksack finden?
    Überraschend viel Jugendstil in der gesamten Stadt
    Die alte Markthalle am Hafen ist voller und internationaler.
    Grünkohl, Erdbeeren und Gewürze zusammen mit Zierpflanzen überall in der Stadt
    Wenig Autos, guter ÖPNV, viele sogenannte Kiezblöcke und alles Elektrobusse. Und die ganze Stadt voll Zebrastreifen. Wenig Ampeln. Weniger Verkehr. Natürlich auch weniger Menschen. Trotzdem: Moderne Stadt. Geht doch
    Fundstücke. Fährt die noch?

    Sibelius Denkmal

  • Mit der Fähre nach Turku

    Mit der Fähre nach Turku

    Von der Fotografiska direkt zur Fähre im Nieselregen. Bergan versteht sich. 30 Minuten vor Abfahrt werden Fußgänger eingecheckt. Wir sind 1 Stunde vorher da. Und vor uns haben schon mehr als 1.000 Passagiere eingecheckt. Wir richten uns auf Chaos und lange Wartezeiten ein.

    Aber wir sind in Schweden und Finnland: das Boarding dauert maximal eine Viertelstunde. An Bord brauchen wir weniger als 5 Minuten, um unsere Kabine zu finden. Und die ist ein Träumchen!

    Sauber, die Betten sind hochgeklappt, dadurch ist viel Platz, um erstmal die großen Rucksäcke zu platzieren. Das Bad sauber, stinkt nicht, sauber und sauber. Es ist umwerfend. Ich springe erstmal unter die Dusche. Wow. So angenehm. Grandios. Luxuriös. Sauber!

    Und das Highlight der Kabine? Das Fenster.

    Riesengroß und kreisrund. Keine Promenade vor dem Fenster. Einfach freier Blick in die Schären.

    Wir strauchen einmal übers Schiff.

    Ein Fährschiff halt. Aber alles ist neu, sauber und charmant. Wenn ich nicht so müde wäre, könnte ich mir vorstellen, nachher was Gepflegtes zu trinken und etwas zu tanzen.

    Aber wir fahren ja wegen der Schären mit der Fähre. Also wollen wir gucken. Da es regnet und wir echt müde sind, bevorzugen Martina und ich in der Kabine den gemütlichen Blick von der Sitzbank durchs Fenster in die Schären und Marcel zieht los zum Karaoke singen. Er wird viel Spaß haben, während wir mit träumerischen Blick am Fenster hängen.

    Irgendwann klappen wir die Betten runter und hängen für Marci die Hühnerleiter ein. Wir krabbeln unter die Decken und genießen den Ausblick aus dem riesigen Fenster. Das erste Highlight dieser Reise.

    Die Kabine müssen wir um 6:30 Uhr geräumt haben, also 5:30 für uns. Finnland rutscht schon 1 Stunde weiter. Eine kurze Nacht. Das Schiff schnurrt leise durch die Nacht. Was haben wir gut geschlafen. Nur halt kurz. Können wir gleich wieder zurück fahren? Mit genau diesem Schiff?

    Hinter einem dieser kreisrunden Fenster ist unsere Kabine.
    Auf jeder Insel ein Haus, sagt man.
    Leuchtturm mit dem im Fenster gespiegelten Logo von Viking Line.
    Morgensonne gespiegelt im Fenster.

    Die Fähre ist natürlich pünktlich in Turku und das Offboarding geht genauso schnell und easy. Die Massen verteilen sich blitzschnell. Viele werden abgeholt, einige Reisebusse sammeln Gruppen ein. Wir finden den kleinen Bahnhof im Hafen. Hier sind schon nur noch eine Handvoll Leute.

    Tatsächlich sind Marci und ich die einzigen ohne Sitzplatzreservierung und müssen 3 mal den Platz wechseln. Zielsicher haben wir uns auf gebuchte Plätzw gesetzt. Aber tatsächlich tragen wir lediglich die Fahrt in den Interrail Pass ein, das war’s – keine Zusatzkosten.

    Donnerstagmittag kommen wir in Helsinki an.

    In Helsinki wohnen wir in Milas Wohnung. Sehr privat. Marci liebt das Klavier der Musiklehrerin.

  • Fotografiska in Stockholm

    Fotografiska in Stockholm

    Vor dem Museum: was bitte schön ist das?
    Wenn Horden Touristen an Busdurchfahrten rote Ampeln ignorieren, braucht es eine Flaggenwacht.
    In der Garderobe mehr Schirme als Jacken.
    Metamorphose von Joakim Möllers

    Es sind mehrere Ausstellungen von sehr unterschiedlichen Künstlern. Spannende Perspektiven.

    Was für Themen hier zusammen gestellt wurden

    Und dann kommen AI generierte Videos, unter anderem von Kelly Boesch. Ihre AI generierte Musik begleitet mich oft bei der Arbeit. So vielfältig und spannend. Kelly Boesch: Little Alien auf Spotify.

    Der Brite Martin Parr beobachtet den Alltag

    Ganz wunderbare Eindrücke und Perspektiven. Anschließend haben wir im Museumsrestaurant mit Blick auf Stockholm durch riesige Fenstern und natürlich Kunst an den Wändern ganz fantastisch gegessen. Das muss man sich echt merken: in schwedischen Museum kann sehr gut und oft günstig essen.

    Gegen 19 Uhr machen wir uns auf zur Fähre von Viking Line Richtung Finnland. Es regnet. Aber wir sind gut ausgestattet.

  • Stockholm begrüßt uns mit Sonne und angenehmen Temperaturen

    Stockholm begrüßt uns mit Sonne und angenehmen Temperaturen

    Nach einer anstregenden Anreise kommen wir unerwartet pünktlich in Stockholm an. Das Wetter lädt zu einem ausgedehnten und sehr entspannten Spaziergang durch Stockholm ein.

    Hauptbahnhof Stockholm Centralen
    Rathaus, Stadshuset
    Mitten in der Stadt ein kleiner Pool, nicht zu tief. Hier baden tatsächlich Familien.

    Die vielen angenehmen Sitzgelegenheiten am Wasser nutzen wir ausgiebig. Die Rucksäcke sind ein kleines bisschen leichter als letztes Jahr, aber vor allem haben wir inzwischen gelernt, wie man die Tourenrucksäcke richtig einstellt. Wir haben wieder unsere ollen, alten, aber trotzdem macht es einen Unterschied. Wenn es mir gelingt, den Beckengurt so eng zu machen wie ein Korsett, so dass ich fast Schnappatmung bekomme, dann habe ich das Gewicht nicht auf den Schultern und kann ewig mit dem Ding laufen. Das Thema Luft erledigt schnell. Der Beckengurt drückt nicht, ich merke ihn gar nicht mehr. Natürlich merke die 15kg extra auf den Knochen, aber im Moment geht es besser als erwartet.

    Dann fängt es richtig an zu schiffen. Zum Glück! Dadurch gehen wir dann endlich mal ins Museum 😉

    Unterstellen. Regenpause abwarten. Rätselraten.

  • 8 Gründe, nie wieder mit dem Nachtzug nach Stockholm zu fahren

    1 Er ist unpünktlich

    Das liegt wahrscheinlich eher an der Deutschen Bahn, aber nicht nur. Während der Zug am 21.7. in Berlin mit 7 Stunden Verspätung ankam, sind wir tatsächlich heute pünktlich in Stockholm angekommen. Aber um welchen Preis?

    2 Wo fährt er denn jetzt?

    Gebucht hatten wir 19 Uhr ab Lichtenberg. Marci bekam am Sonntag eine SMS, dass der Zug schon um 17:40 Uhr abfährt. Ok, also früher Feierabend machen. Kein Problem.

    An unserem Abreisetag am Dienstag bekommt er um 12 Uhr eine Nachricht, dass der Zug zwischen Lichtenberg und Pinneberg storniert wird. Dafür fährt ein Bus vom Hauptbahnhof um 17 Uhr ab. Also noch früher und ganz woanders.

    Der Mitarbeiter der Deutschen Bahn wusste nichts davon, schickte uns aber zum Busbahnhof gegenüber vom Hauptbahnhof, und wir konnten uns zum richtigen Bus durchfragen. Immerhin.

    SJ verweist für die deutschen Timetables auf die Deutsche Bahn, aber die Deutsche Bahn sagt immer noch, dass der Zug um 17:40 Uhr ab Lichtenberg abfährt. Für weitere Informationen solle man bei SJ schauen. Hä?Etwas verwirrend.

    Mit dem Bus geht es nach Pinneberg. Der Bahnhof ist nicht für so viele Fahrgäste ausgelegt. Die Anzeigetafeln sagen Gleis 3, dann wieder nicht, dann wieder doch, die Durchsagen wiedersprechen den Anzeigen und am Ende ziehen mehrere Hundert Fahrgäste allen Alters mit ihrem Gepäck treppab und treppauf zu Gleis 4. Gefährlich viele Leute auf viel zu schmalen Treppen.

    Wir fahren mit Verspätung ab, holen die Zeit bis morgens um 10 aber wieder ein.

    Rückblickend wissen wir, wie es ging. Und es ging. Aber es wahr sehr chaotisch und nicht banal herauszubekommen, von wo wir denn nun wann wie abfahren.

    3 Dreck hält diesen Zug zusammen

    Wie letztes Jahr schon geschrieben, es ist unfassbar dreckig in dem Zug. Über Jahrzehnte angesammelter Dreck in allen Ritzen, Kanten, Schrauben. Essen auf dem Tisch neben uraltem Dreck.

    Die Toiletten stinken wirklich übel. Die Dusche ist so dreckig und hat so viele verkeimte Ritzen, nein danke. Wir verzichten auf eine Dusche. Man möchte sich nicht mal die Zähne putzen. Buäch.

    4 Apropos Toiletten

    Letztes Jahr haben wir schon festgestellt, dass viele der shared Bathrooms gesperrt waren. Man musste zum Teil 3 Wagen weiter gehen und ratet, wie lang die Schlange da war.

    5 Alles kaputt

    Die kaputten Toiletten sind nicht alles: letztes Jahr hatten wir einen Waggon mit 2 kaputten Türen. Im Notfall hätten wir erst einmal in den nächsten Waggon gemusst, um den Zug verlassen zu können.

    Dann konnten wir das Fenster nicht schließen, von 7 Lampen gingen 4 nicht, die Tür klapperte, die Notbeleuchtung war defekt.

    Ist das noch zugelassen? Gibt es einen TÜV für Züge? Funktionieren die Bremsen?

    6 Die Preispolitik

    Du fährst mit deinem Mann und möchtest eine 2er Kabine buchen. Geht nicht. Männer und Frauen werden strikt getrennt. Also du mit einer fremdem Person und dein Mann mit einer fremden Person. Nicht schlimm, aber ich möchte gern mit ihm zusammen in eine Kabine.

    Das kostet dann richtig viel extra, ein private compartment.

    Dieses Jahr wollten wir zu dritt in eine 3er Kabine: 2 Frauen, ein Mann. Das ging nur im private compartment. Extra teuer. Oder halt verzeilt auf mehrere Kabinen. Wenn wir zu dritt buchen, warum dürfen wir nicht in eine 3er-Kabine?

    BTW bei den Finnen ist das gar kein Problem!

    Warum kann man sich seine Plätze nicht aussuchen?

    7 Der Preis ist für das Gebotene unverschämt

    Wegen der kaputten Toiletten und weil absurderweise das 1. Klasse compartment preiswerter war als 2. Klasse, haben wir also ein 1. Klasse private compartment mit 2 Interrailtickets gebucht. Für satte 900 Euro. Das ist eine Ansage.

    Und dieses Jahr war allen Ernstes unsere Toilette in der Kabine kaputt und die im Waggon! Obwohl wir den hohen Preis gezahlt haben, mussten wir mindestens 3 Waggons weiter auf die Toilette gehen, bei der sich Tür nicht schließen ließ!

    Oder bis 5 Uhr warten. In Malmö werden schwedische Waggons angehängt. Ein Bistrowagen fürs Frühstück und einige Wagen mit zusätzlichen Sitzplätzen. Und geräumigen, sauberen Toiletten!

    8 Das Frühstück

    Beim 1. Klasse Abteil ist das Frühstück inklusive. Wieviel erwarten wir? Eigentlich nicht viel. Bistro im Zug ist kein Sternerestaurant. Aber dafür dass man in Schweden immer und überall fantastisch isst, ist das Frühstück etwas erschütternd. Immerhin haben die Schweden kapiert, dass man nicht in alles Unmengen Zucker mischen muss. In die andere Richtung ist das deutsche Frühstück nicht nur unerquicklich, sondern besteht auch noch zu 70% aus Zucker.

    Wir sind inzwischen angekommen. Und wir lassen uns nicht unterkriegen. Und uns die Laune nicht verderben.

  • Berlin nach Helsinki über Stockholm und Turku

    Berlin nach Helsinki über Stockholm und Turku

    Zuerst geht es nach Helsinki, mit Zug und Fähre bei ungünstigen Verbindungen eine Reise von 3 Tagen. Die Entfernung zwischen Berlin und Helsinki wird spürbar. 2.000 km!

    Martina, Marci und Manuela steigen 2025 am Berliner Hauptbahnhof in den Nachtzug nach Stockholm.

    Unsere Reisegefährtin

    Zu unserer riesengroßen Freude begleitet uns wie letztes Jahr Martina bei diesem ersten Schritt. Die lange Anreise und 4 Tage in Helsinki. Dann reisen wir in unterschiedliche Richtungen weiter.

    Immerhin sind wir jetzt in der Lage, uns alle 3 in ein Abteil hinein zu buchen. Da haben wir letztes Jahr doch was gelernt 😉

    Nachtzug nach Stockholm

    Am 21. Juli abends geht es also los. Mit dem Nachtzug. Schon wieder ungeliebte Nachtzug nach Stockholm? Ich kann hier nicht mehr auf den Artikel aus dem letzten Jahr verweisen, aber einige von euch werden sich erinnern: Dreck hält diesen Zug zusammen, Toiletten und Türen funktionieren nur in einigen wenigen Wagen, elektrisches Licht ist ein Glücksfall und wer will schon das Fenster schließen? Teuer ist er auch noch. Trotzdem wollen wir noch einmal den Raum zwischen den Orten wahrnehmen. Und außerdem kommt da ja noch was…

    In Stockholm warten wir 10 Stunden auf die Weiterfahrt. Der Bahnhof ist mitten in der Stadt. Wenn wir ausreichend üben, mit den großen Rucksäcken unterwegs zu sein, ist Stockholm ein fantastischer Ort, um sich 10 Stunden zu vertreiben 🙂

    Mittwochvormittag kommen wir in Stockholm an und mit sehr reichlich Umsteigezeit geht es abends dann weiter.

    Nachtfähre durch die Schären der Ostsee

    Seit ich das erste Mal auf der Googlekarte den Unterschied zur Satelitenansicht gesehen habe, juckt mich diese Fährfahrt nach Turku. Die Schären sind so dicht, das einfach alles grün erscheint, was eigentlich ja die Ostssee ist. Wow. Deshalb fahren wir von Stockholm nach Turku und nicht direkt nach Helsinki.

    Screenshots von Google Maps, einmal als Karte und einmal als Satellitenansicht

    Einige meiner Kolleginnen würden jetzt zu Recht die Augenbrauen hochziehen: das ist natürlich eine Urheberrechtsverletzung. Man darf nicht einfach Screenshots von Google Maps machen und weiter verbreiten. Da hat sich Google pinselig. Aber dies hier ist ein privater, Passwort geschützter Blog. Also lassen wir heute mal die Kirche im Dorf und nehmen die Brauen wieder runter.

    Von Turku geht es mit dem Zug weiter und dem Schienenersatzverkehr. Ja, auch in Finnland gibt es SEV.

    Wir freuen uns auf die Fähre zwischen Stockholm und Turku durch die Schären. Es wird ja hell sein: kurze Nächte im Sommer. Schlafen? Eher an Deck stehen und gucken. Die Viererkabine ist automatisch für uns drei exklusiv gebucht. In Finnland gibt es keinen 4. fremden Menschen in der Kabine. Was sich SJ in Schweden teuer bezahlen lässt, das private compartment, bekommt man in Finnland automatisch und ohne Aufpreis.

    Wir sind gespannt auf Helsinki und wollen vielleicht einen Tagesausflug nach Tallinn, Estland, machen. Noch 6 Tage bis zur Abreise.

    Gerade schreibt Martina, dass das Wetter in Helsinki nächste Woche ordentlich feucht wird. Und ich glaube, ich pack noch n Pulli ein. 17°C und Regen.

    BTW: Auf der Rückreise werden wir von Helsinki nach Berlin fliegen: dauert 2 Stunden statt 3 Tagen und kostet ein Viertel des Preises. Zugfahren muss man wollen.

  • Der Raum zwischen den Orten

    Der Raum zwischen den Orten

    Die deutsche Bahn feiert sich gerade im März 2026, weil 60% der Züge pünktlich waren. Das ist eine Steigerung! Autsch. Die Nachtzüge von Berlin nach Stockholm sind echt nicht der Hit und trotzdem zieht es uns wieder auf die Schiene. Warum?

    „Mit dem Zug unterwegs zu sein heißt, den Raum zwischen den Orten wahrzunehmen.„

    Sebastian Wilken in: „Warum wir mit dem Zug reisen. Es dauert länger, es kostet meistens mehr – und trotzdem steigen wir immer wieder ein.„

    Wir sind bei weitem nicht so passionierte Zugereisende wie Sebastian, aber in einigen seiner Aussagen erkenne ich uns wieder: In Ruhe durch das Land zu gleiten, ein Gefühl für Weite zu bekommen, Menschen zu begegnen, ständig auf Entdeckung zu sein, ganz viele Bilder in den Kopf bekommen. Naja, und im Norden sind dann auch noch alle so entspannt. Ja, wirklich alle 😉

    2026 nach Finnland

    So geht es also 2026 nach Finnland. Finnland ist kleiner als Schweden, hat halb so viele Einwohner und ist noch dünner besiedelt:

    SchwedenFinnland
    Fläche447.435 km²338.472 km²
    Einwohnerzahl10.587.710 (31. Dez. 2024)5.656.394 (Nov. 2025)
    Bevölkerungsdichte24 Einwohner pro km²17 Einwohner pro km²
    Zahlen aus Wikipedia, abgerufen am 12.2.2026

    Ein Spaß könnten die Mücken werden. Eigentlich haben wir vor Mücken keine Angst. „Kein kleines Tier frisst ein Großes“. Unsere finnische Freundin lacht bei Fragen nach Mücken. Nordlandreisenden aus unserem Bekanntenkreis müssen die Mücken allerdings heftig zu schaffen gemacht haben. Wir sind gespannt. Und sehr optimistisch zu überleben 😉

    Finnische Züge

    Es gibt in Finnland nur eine Zuggesellschaft: VR mit der App Matkalla. Das vereinfacht die Suche nach Routen. Die App Interrail Planner hat aber scheinbar keine Schnittstelle zu VR. Wir müssen also direkt in der Matkalla App nach Verbindungen suchen. Dort können wir allerdings das Interrailticket nicht eingeben. Wir dürfen also am Ende nicht vergessen, die Routen aus der Matkalla App manuell in die Interrail App einzugeben, damit die Reisetage nachgewiesen werden können… Neue Herausforderungen warten auf uns.

    Das finnische Schienennetz ist dichter als erwartet, jedenfalls im Süden und in Mittelfinnland. Im Norden wird es natürlich dünner. Nach Lappland kommt man mit dem Santa Clause Express, einem komfortablen Nachtzug. In Rovaniemi gibt es ganzjährig das Weihnachtsmanndorf, eine Art Disneyland in Weihnachten. Wir fahren nicht nach Rovaniemi.

    Ganz so weit nach Norden wie in Schweden nach Abisko geht es leider nicht.

    Am Rande bemerkt: Wenn wir mit dem Zug weiter nach Norden wollten, wäre Russland eine Option… auf der russischen Seite reicht das Schienenetz über Murmansk bis Nikel, etwas südlich von Kirkenes in Norwegen. Ach, schade.

    Die nördlichsten Endpunkte von links nach rechts: In Norwegen Bodø und Narvik, das finnische Kolari und das russische Nikel an der norwegischen Grenze.

    Openrailwaymap zeigt auch Zugverbindungen an.

    Im Sommer

    Wir starten dieses Mal im Hochsommer in der hellen Jahreszeit Ende Juli. Marci will nicht immer frieren. Für die Mitternachtssonne kommen wir zu spät. Auch weiße Nächte werden wir nicht mehr haben. Wenn wir im August dann in Lappland sind, wird es keine Nacht und keine astronomische Dunkelheit geben, nur die nautische und bürgerliche Dämmerung.

    Der weiße senkrechte doppelte Strich zeigt den Tag des Jahres an, im Balken unten kann man die Tageslichtphasen erkennen. Darunter stehen dann auch die Uhrzeiten der Nacht, der 3 Dämmerungsphasen und des Tages. Mehr dazu auf der wunderbaren norwegischen Webseite timeanddate.de. Wie dunkel ist das denn?