Glass Village Kemi

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Wie sind wir hierher geraten? Sehenden Auges hätten wir so eine Unterkunft nie gebucht. Für uns ist das eigentlich nicht der richtige Ort.

Eigentlich wollten wir nach Tornio – dazu später mehr. Aber unsere Urlaubstage nähern sich ihrem Ende und wir müssen rechtzeitig wieder in Helsinki sein, um unseren Flug zu erwischen. Der Rückweg aus Tornio dauert länger.

Jedenfalls entdeckte ich in Kemi ein Glass Village direkt am Meer. Irgendeine Unterkunft brauchen wir ja, warum also nicht diese?

Diese Glas-Iglus sind natürlich eigentlich zum Auroragucken da. Dafür ist das die falsche Jahreszeit. Es ist durchgehend hell, obwohl die Mitternachttssonne schon lange vorbei ist. In Kemi geht die Sonne nur an 2 Tagen, am 21. und 22. Juni, gar nicht unter. Zur Zeit haben wir ein paar Stunden bürgerliche und nautische Dämmerung, aber keine Nacht. Mehr dazu bei timeanddate.de.

Die Dach-Rollos haben wir letzte Nacht offen gelassen und ab 3 oder so war es taghell, obwohl es komplett bewölkt und regnerisch ist. An der Rezeption verkaufen sie Schlafmasken…

Was kann man hier machen? Kemi ist die einzige Stadt am Meer in Lappland und hat knapp 20.000 Einwohner. Im Winter ist die Ostsee hier oben zugefroren. Dann gibt es die üblichen Lappland-Aktivitäten: Huskies, Rentiere, Snowmobil, Eisfischen. Und hier eben gibt es den Eisbrecher. Den einzigen Eisbrecher Sampo, der für die touristische Nutzung umgebaut wurde. Deswegen heißt das Betreiberunternehmen des Glass Villages hier auch die Icebreaker Company. Ah.

Und dann? Glaubt ihr nie! Baden in der zugefrorenen Ostsee!

In Salla lernten wir ein Pärchen kennen, das völlig begeistert von diesem Abenteuer erzählt hat. Eingepackt wie ein Michelinmännchen wird man in die durch den Eisbrecher aufgebrochene Ostsee gehievt und treibt dann ein bisschen darin rum. Bewegen kann man sich in den Anzügen nicht.

Genauso künstlich wie dieses „Abenteuer“ wirkt der Ort hier. Ein riesiger Giftshop mit rosa Plüsch-Rentieren und industriellen Norwegerpullis aus Polyacryl. Dazwischen ein paar „Produkte aus Lapland“. Vielleicht. Eine Gem-Ausstellung und ein Snow Castle. Im Snow Castle kann man Eisskulpturen sehen wie in Jukasjärvi im Ice Hotel, nur viel kleiner (ich würde jetzt auf den Artikel verlinken, aber die alten Tagebücher sind ja weg 🙁 ). Natürlich kostet das alles Extraeintritt. Nur 10 Euro.

Es gibt natürlich eine Sauna, ab 150 Euro! Ich will sie ja nicht kaufen, nur nutzen. Ein Jakkuzzi mit Meerblick, ebenfalls 150 Euro. Sie werben mit Luxus, aber alles wirkt blutleer und steril.

Wir amüsieren uns köstlich, liegen jetzt in unserem Schneewittchen-Sarg, so wirkt die Glass Villa, die wir gebucht haben. Wenn ich mich etwas drehe, sehe ich ein Stück tobende Ostsee. Um uns herum tobt Sturm und Regen. Wir hören den Sturm, haben es aber warm und kuschelig. Schon lustig. Vorhin sah ich ein Zelt auf dem angrenzenden Campingplatz – und hatte ein bisschen Mitleid. Was bin ich froh…

Der Regen wird über den Tag eher zunehmen. Zu dieser Jahreszeit kann man … Essen gehen. Außer einem geschlossenen Schwimmbad, ein paar Supermärkten und einem Intersport gibt es unzählige Restaurants. Vielleicht besuchen wir nachher mal das Heimatmuseum im Rathaus…

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